Matiguás


Bildmontage: HF

02.10.11
SaarlandSaarland, Internationales 

 

von Dirk Scholl

Im Jahre 1986 wurde zwischen Saarlouis und Matiguás in Nicaragua eine so genannte Projekt-Städtepartnerschaft gegründet.
In der Partnerschaftsurkunde heißt es: „Mit dieser Partnerschaft will die Kreisstadt Saarlouis dem nicaraguanischen Volk auf seinem Weg des Aufstiegs aus bitterster Armut ihre Solidarität erweisen, indem sie unter sozialen Gesichtspunkten besonders bedeutsame Vorhaben der Stadt Matiguás fordert“. [1]

Nach wie vor gehört Nicaragua „Dank“ des destruktiven Einflusses der USA und der IWF zu einem der ärmsten Länder der Welt!

Um nur zwei Zahlen zu nennen: 80 % der Bevölkerung lebt in Arbeitslosigkeit, 40 % in extremer Armut. Trotz dieser misslichen Lage wurde das Land jahrelang von den USA wirtschaftlich boykottiert- und das nur weil im Jahre 1979 die linksgerichteten Sandinisten Nicaragua von der jahrzehntelangen Diktatur des korrupten Somoza-Clans befreiten.

Trotz dieser misslichen Lage bekam die mittlerweile an die Macht gekommene Mitte-Rechts-Regierung im Jahre 1995 ein Abkommen mit IWF und Weltbank aufoktruiert, das sie dazu zwang, weitreichende Privatisierungen vorzunehmen, Steuern und Gebühren zu erhöhen und auf der anderen Seite Sozialausgaben auf ein Minimum zu reduzieren.

Das ist nur einer von vielen Belegen für die Unmenschlichkeit des kapitalistischen Systems, das auch von den etablierten Parteien CDUSPDFDPGrüne weitgehend getragen wird. Und jene Parteien sind angesichts der Globalisierung deshalb auch für derartige Auswüchse mitverantwortlich!

Nichtsdestotrotz ist es den verschiedenen linken, sandinistischen Regierungen in Managua, die seit rund fünf Jahren wieder die Regierungsgeschicke in ihren Händen halten, gelungen, Bildung und Gesundheitsvorsorge bis zum heutigen Tage auf einem verhältnismäßig hohem Standard zu halten, trotz oder gerade wegen der Repressalien von Außen.

Bei aller Wertschätzung für die Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner von Matiguás von Seiten meiner Heimatstadt Saarlouis, sollte und darf man nicht die Augen vor den politisch-ökonomischen Hintergründen in Bezug auf die Lage dieses armen Landes verschließen!
Bei aller Wertschätzung dafür sollten unsere Bürgerinnen und Bürger noch viel stärker für die verzweifelte Lage dieser Menschen sensibilisiert werden – auch hier oder gerade hier in Saarlouis.

Internationale Solidarität zu unserer Projektpartnerstadt von Matiguás ist deshalb weitaus mehr gefragt als bei den anderen Städtepartnerschaften zu St. Nazaire (Frankreich) und Eisenhüttenstadt (Brandenburg), ohne deren Bedeutung nun abwerten zu wollen.

[1] Quelle: http://www.saarlouis.de/rat_verwaltung/3760.php
auch zu lesen unter
www.dierotesaar.12see.de

 


VON: DIRK SCHOLL






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