Der Arbeit heiliger Krieg – Aufstände der Kommunebewegung von 1870/71

16.05.21
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Rezension von Horst Hilse zu

Die Kommunen vor der Kommune 1870/71“ von D. Hartmann / Chr. Wimmer, Assoziation 2021

Historische Prozesse werden immer im Nachhinein in jene Form gebracht, auf die man sich weitgehend einigen konnte. Dabei erfahren die entscheidenden und folgenreichen Weichenstellungen für den Verlauf eines historischen Geschehens ganz besondere Beachtung. Die vielen verschiedenen Elemente jedoch, die in dieses Geschehen einfliessen und es erst ermöglichen, werden bestenfalls am Rande erwähnt. Besonders bei revolutionären Prozessen bleiben wichtige Vorgänge oft unbeachtet.

Die Akteure selbst, die leidenden und kämpfenden Menschen, bleiben meist ausgeblendet und werden gleichsam im Nachhinein als „Volk“, „Klasse“ oder „Menge“ in das Geschehen abstrakt eingefügt.

Das reale fein gesponnene Basisgeflecht mit seinen unmittelbaren hautnahen und keineswegs neutralen Beziehungsformen der Beteiligten wird vom Wind der Geschichte verweht und bestenfalls bleiben davon Spuren übrig.

Von der schreibenden Zunft gebildeter Historiker ist meist kein Interesse dafür zu erwarten.

Umso wertvoller das Bemühen der Autoren des vorliegenden Buches, die die revolutionäre Bewegung Frankreichs zur damaligen Zeit in ihrer Dynamik und Verästelung darzustellen versuchen.

Da die Geschichte der Kommuneaufstände bis heute in Deutschland auch unter linken Menschen fast unbekannt ist, sollen die Ereignisse, die ihre Wirkung bis in die Kolonien hinein entfalteten, detaillierter erwähnt werden.

Die berühmte „Pariser“ Commune war eben nicht nur ein Ereignis in dieser Stadt. Dieses Ereignis hatte eine Vorgeschichte und fiel nicht plötzlich vom Himmel in die Realität eines Gemeinwesens. Vor und nach dem Aufstand in Paris gab es bereits jene revolutionäre Bewegung, die den kapitalistischen Staat frontal angriff, nachdem das Regime des Bonapartismus, das „Second Empire“ am 18. März 1870 zusammengebrochen war und die Republik wieder etabliert werden konnte. Der mit Deutschland vom Zaum gebrochene Krieg hatte diesen Zusammenbruch beschleunigt.

Den Kommunarden ging es nicht um einen Regierungswechsel an der Staatsspitze, nicht um neue Parlamentsmehrheiten, sondern es ging ihnen um ein neues System der autonomen Selbstverwaltung. Sie waren eine bewaffnete auf lokaler Ebene agierende revolutionäre Macht im Land. Überall, wo sie die Rathäuser eroberten, wehte die Rote Fahne als Zeichen für ein neues System. Der Ursprung und die Kraft der Bewegung ergab sich aus den alltäglichen Erfahrungen bei den Kämpfen mit der Gewalt des Kapitals. Diese Gewalt manifestierte sich in den Institutionen und ihren Handlungen ( Ausdehnung der Besteuerung, Privatisierungen, Teuerungen und „gewaltsame Gentrifizierungen“ vieler Städte).

Der Begriff der „Kommune“ war durch die französische Revolution in das kollektive Gedächtnis aufgenommen als sich 1789 nach dem Sturm auf die Bastille das neue Gremium aus jeweils zwei Vertretern aus den damals 60 Stadtbezirken als neue Volksmacht etabliert hatte. Die Nationalgarde war als revolutionäre Freiwilligenarmee entstanden, nachdem die Revolution von 1789 durch das Verhalten der Armeeführung bedroht war.. Im Gegensatz zur Armee war sie nicht kaserniert und

traditionell eng mit dem Volk verbunden.Vielfach wurden ihre Kommandeure lokal gewählt. In Deutschland waren die Schützenvereine entfernt vergleichbar, waren aber im Unterschied zu Frankreich inhaltlich gegen alle demokratischen Emanzipationsbestrebungen gerichtet.

Den Voraussetzungen der Kommunebewegung wird in dem Buch von Hartmann und Wimmer anhand vieler Details nachgespürt. So z. B. der unterschiedliche Industrialisierungsgrad in verschiedenen Landesteilen, der Eisenbahnbau als Kapitalisierungsstrategie ländlicher Regionen, der deutsch-französische Krieg,die Erfahrungen der Revolutionäre 1830 und 1848, der Rückgriff auf frühere Bedeutungen des lateinisch geprägten Midi. ( - mit einer früheren eigenen Gesetzgebung und dem Kathareraufstand im historischen Gepäck.) sowie die Diktatur von Napoleon des III mit seiner Zentralisierung des Landes auf Paris.

1870/71 schien sich das Revolutionsgeschehen von 1789 in vielen Städten Frankreichs zu wiederholen. Hartmann und Wimmer liefern eine lokal bezogene Beschreibung der Bewegungen.

- In Lyon, der Großstadt im Rhonetal erfolgte die Machtübernahme der Kommune bereits am 4.Sept. 1871 auf dem Höhepunkt einer heftigen von Streikbewegung. Dort war das Zentrum der Tuchindustrie.Bereits 1830 hatte dort die Arbeiterklasse ihren Kampf mit der roten Fahne geführt. Nach der Niederlage 1831 folgte der Canut-Aufstand der Seidenweber, die in zweitägigen Kämpfen das Rathaus und die Kasernen besetzten.

Der Kommuneaufstand von 1871 wurde bereits in der Illegalität vorbereitet und ein 73köpfiger Wohlfahrtsausschuss übernahm die Macht in der Stadt. Dieser tagte täglich und öffentlich.Es wurden Verhandlungen mit anderen Städten aufgenommen, um einen südfranzösischen Städtebund der selbstverwalteten Kommunen, die Liga, zu gründen.Im Wohlfahrtsausschuss der Stadt saßen drei Vertreter der 1864 gegründeten I. Internationale, der „Internationalen Arbeiterassoziation“. In Frankreich bestand die große Mehrheit der I.Internationale aus Vertretern des Anarchismus. In Lyon gründete Bakunin während der Kommuneherrschaft einen eigenen Wohlfahrtsausschuss und rief zum Sturz der republikanischen Regierung auf. Sie sollte durch eine Föderation freier Kommunen ersetzt werden.Verhaftungen von Vertretern der parlamentarischen Staatsmacht waren vorbereitet. Der Festungskommandant durchkreuzte diesen Plan und vierzigtausend regierungstreue Nationalgardisten marschierten in die Stadt. Die Kommune löste sich auf. Auf dem linken Rhoneufer hatte jedoch ein revolutionärer Club überlebt und als die Nachricht von der Gründung der Pariser Kommune eintraf, organisierte dieser eine große Solidaritätskundgebung in deren Verlauf mit Hilfe bewaffneter Nationalgardisten erneut das Rathaus besetzt wurde.In einer Erklärung wurde betont, dass die Kommune künftig Basis der französischen Republik sei.

Diese zweite Kommune von Lyon wurde mit einem politischen Schachzug matt gesetzt: Der republikanische Bürgermeister organisierte eine große Willkommensfeier für die aus dem Krieg mit den Deutschen zurückkehrenden Soldaten.Zu diesem Zweck lud er die radikalen Nationalgardisten und die Kommune ein, um dort Spalier zu stehen. Der Begeisterungstaumel liess die Kommune völlig machtlos zurück.Ein erster Versuch zur militärischen Beseitigung der Kommune scheiterte, weil die Soldaten begannen, überzulaufen. Sie wurden sofort wieder in die Kasernen befohlen und nur regierungstreue Einheiten rückten aus. Nach einem dreistündigen Kampf unter Einsatz von Kanonen hatte die Reaktion gesiegt. Die letzte Barrikade fiel im Stadtteil Croix-Rousse, also dort, wo 75 Jahre später der Leiter der Resistance, Jean Moulin, durch Verrat der Gestapo in die Hände fiel.

Nur 60 km weiter in der Bergbaustadt Saint Étienne erhob sich am Tag der Niederlage in Lyon ebenfalls die Kommune. Seit 1870 hatten die Bergarbeiter immer wieder die Kommune gefordert.Nach nur wenigen Tagen brach die Kommune nach einer heftigen Schiesserei zusammen.



-Die industrielle Kommune von Le Creusot

Die Stadt in Burgund ist der Geburtsort der Industrialisierung des Landes und bis heute ein „high tech“ Zentrum. Sie wurde damals von der größten Fabrik Frankreichs, dem Stahlwerk Schneider-Creusot beherrscht. Vergleichbar mit den deutschen Krupp-Werken standen den Arbeitern

Hilfskassen,ein Krankenhaus und Wohnungen zur Verfügung. Die Löhne wurden jedoch sehr niedrig gehalten. Die Hauptproduktion diente dem Ausbau des Eisenbahnwesens, doch auch Dampfschiffe, Kanonenboote und Kriegsgerät wurden produziert. Der Firmenchef, Eugene Schneider, war politisch sehr aktiv auf Seiten der staatlichen Ordnungskräfte. In einem langen Streikzyklus hatte sich die Belegschaft radikalisiert. Der Konflikt brach aus, als die Belegschaft die Verfügungsgewalt über die Sozialkasse forderte. Der Firmenchef ging darauf ein. und die Belegschaft sollte eine Verwaltungskörperschaft wählen. Gewählt wurden 50 Personen und als Chef wählten diese einen Armeedeserteur, der als Revolutionär bereits unter Garibaldi gekämpft hatte. Der Mann wurde entlassen und tauchte später als Kommandeur der Pariser Kommune auf. Daraufhin übernahm die Belegschaft die Sozialkasse und regierte die Stadt.

Wie in Lyon, versuchte die republikanische Regierung in Paris einen „gemäßigten“ neuen republikanischen Bürgermeister einzusetzen um dadurch die Situation wieder beeinflussen zu können.. Doch diesmal klappte es nicht: Der klassenbewusste Bürgermeister verfügte die Entlassung der Nationalgardisten und ihre Ersetzung durch bewaffnete Werkmilizen sowie sofortige Neuwahlen zum Stadtrat.Nachdem der Bürgermeister durch Intrigen gestürzt wurde, kam es zur Massendemonstration vor dem Rathaus und die Kommune wurde ausgerufen. Nationalgardisten und in der Stadt zusammengezogene reguläre Truppenteile verbrüderten sich.Ein städtisches Verteidigungskomitee wurde gebildet, Bahnhof, Post und Telegrafenamt besetzt.Jedoch hatte die reguläre Armee neue Truppen herangeführt und hielt bereits den Bahnhof besetzt. So konnten immer neue Truppenteile in die Stadt gebracht werden. Der Junior-Firmenchef bat den Präfekten um Hilfe gegen die streikende und demonstrierende Belegschaft.( Sein Vater war bereits nach London geflohen und kam erst nach der Niederschlagung der Pariser Kommune zurück nach Frankreich.) 3000 Soldaten rückten in die Stadt und die Firma ein. Als der Streik der Belegschaft unter diesem Druck beendet wurde, erhoben sich die Bergarbeiter in einem Streik. Fünfundzwanzig „Rädelsführer“ wurden verhaftet und im 25km weit entfernten Autun zu insgesamt 298 Monaten Kerker verurteilt.Der Leiter der Kommune flüchtete wie auch viele andere Kummunevertreter in Frankreich ins schweizer Exil und war in Genf bis zum Lebensende in der sozialistischen Bewegung aktiv.

-Marseille erlebte drei Kommunen

Die ersten im August und Nov.1870 zerbrachen an inneren Streitigkeiten. Auch die dritte Kommune im März 1871 war sehr gemäßigt und der Vorsitzende erklärte die Bereitschaft, mit der republikanischen Regierung in Paris zusammenzuarbeiten. Dabei übersahen die Opportunisten, dass diese Regierung grade überall im Lande die Kommunebewegung niederschlug. Man forderte lediglich die städtische Selbstverwaltung und die Kommune konnte einige soziale Forderungen durchsetzen. Darunter auch den in Deutschland aktuell umkämpften Mietendeckel. Als die Regierung in Paris den Belagerungszustand über die Stadt verhängte, zogen sich die gemäßigten Republikaner aus der Kommune zurück. Aber auch die Nationalgarde und der revolutionäre Flügel wandten sich ab, da der Sold ausblieb und niemand die Initiative zur tatsächlichen Machtausübung ergriff. Als das Angebot der in der Nähe lagernden revolutionären Truppen unter Garibaldi zur Verteidigung abgelehnt wurde, verlor die Kommune jede Unterstützung. Als 7000 Mann der Regierungstruppen an mehreren Stellen der Stadt zugleich einrückten, stellten sich ihnen nur noch 400 Verteidiger der Kommune am Rathaus entgegen.Während der folgenden Kämpfe liefen zwei Bataillone der Armee unter dem Ruf „es lebe die Kommune von Paris“ zu den Aufständischen über und eine große Menschenmenge versammelte sich vor dem Rathaus. Hoffnung keimte auf, aber die schlechte militärische Vorbereitung durch die Kommune wirkte sich verheerend aus: General Espivent liess von der Festung und der Kathedrale aus das Rathaus in 10 Stunden zusammenschießen.

Nach dem Sieg wurden Kommunarden festgenommen und am Bahnhof und der Umgebung exekutiert. Wahrscheinlich 150 Personen. Die siegreichen Truppen organisierten eine Siegesparade unter den Rufen: „Lang lebe Frankreich, lang lebe Jesus“ Sie wurden von der Bevölkerung ausgebuht und mit Steinen beworfen. 1000 Gefangene wurden auf eine vorgelagerte Insel verbracht und später von Kriegsgerichten ebenfalls oft zum Tode verurteilt. Die Kommune von Marseille hatte mit zwei Wochen eine „lange“ Lebensdauer.

Ausserhalb der großen Zentren kam es im April und Mai 1871 zu ca 14 weiteren Aufständen oder Aufstandsversuchen in Frankreich.

Die Kommune von Algerien

In dieser Kolonie lebten damals 270 000 privilegierte Franzosen als Minderheit. Sie durften Abgeordnete für die Nationalversammlung in Paris wählen. Die rechtlose arabische Bevölkerung mit 2.6 Millionen lebte in bitterer Armut. Sie waren kulturell und sprachlich von den französischen Bürgern getrennt. Sie lebten in einer arabisch- kabylischen Clankultur mit eigenen Clangesetzen. Privateigentum war ihnen fremd.Die französische Minderheit bestand aus vielen revolutionär gesinnten Menschen, die nach den gescheiterten Revolutionen 1830 und 1848 in die Verbannung nach Algerien geschickt worden waren. Als am 4. Sept. 1870 die Nachricht von der Ausrufung der Republik in Frankreich nach Algerien drang wurden, wie in Frankreich. in vielen Städten revolutionäre Komitees ins Leben gerufen, die eine Veränderung der Verwaltungsstrukturen forderten.Es bildete sich der Republikanische Verband Algeriens, der die Verwaltung des Landes durch Kommunen forderte und Kontakte zur I. Internationale (Internationale Arbeiter Assoziation) aufnahm. Paris entsandte den Generalgouverneur Wals-in-Esterhazy um gegen diese Basisbewegung vorzugehen. Als er in Algier eintraf, belagerten viele Franzosen gemeinsam mit arabischen Bevölkerungsteilen den Admiralspalast. und der Generalgouverneur floh mit einem Kriegsschiff. Er wurde kurz darauf durch einen “Hardliner“ ersetzt, der die Entlassung alle linken Kommandanten der Nationalgarde verfügte und gegen die Basiskomitees vorging. Der Palast wurde von der Menge besetzt, jedoch die im Hafen lagernde Kriegsflotte der Kolonialmacht nicht angegriffen. Im März 1871 begann der Aufstand der arabischen Mehrheitsgesellschaft, der seinen Ausgang in der Kabylei im Nordosten Algeriens nahm.Namensgeber des Aufstandes war Mohammed el-Mokrani, der 30 Stämme mit einer Streitmacht von fünfundzwanzigtausend!Kämpfer vereint hatte. Am 8. April wurde zum „heiligen Krieg gegen die Kolonialmacht“ aufgerufen.Die Posten der französischen Kolonialarmee wurden meist handstreichartig übernommen und die Stadt L Alma in Brand gesetzt.Die Ausrufung der französischen Kommune in Paris löste nochmals einen großen Aufschwung aus. In den Städten Algeriens fanden große Demonstrationen unter Parolen wie „Es lebe Paris! Nieder mit Versailles“ statt. Der Republikanische Verband Algeriens entsandte Delegierte zur Pariser Kommune. In Oran forderten 1000 Menschen die Selbstverwaltung der algerischen Städte. Vielfach verweigerten die Nationalgardisten Befehle zu einem Vorgehen gegen die Aufständischen, doch es kam zu keiner Verbrüderung zwischen der Kommunebewegung und der Aufstandsbewegung, der sich ein Drittel der Bevölkerung angeschlossen hatte. Mokrani verstarb am 5. Mai nach einem Feuergefecht mit französischen Truppen. Die Kolonialmacht war erst nach der Niederschlagung der Kommunen auf eigenem Staatsgebiet in der Lage, gegen die Bewegungen in Algerien vorzugehen. Nach dem Sieg über die Pariser Kommune schickte Thiers eine Armee von 85 000 Soldaten nach Algerien, die gegen den Aufstand und gegen die Kommunebewegung vorging.Im Juli war der Aufstand besiegt und im Januar ergaben sich auch die letzten Oasen in der Kabylei. Die Armeeführung erklärte, dass sie in Algerien auf „Pariser Art“ vorgegangen sei. Damit waren die Massaker an der Zivilbevölkerung gemeint, deren Opferanzahl bis heute unbekannt ist. Aber bis heute gilt die Kabylei als „Unruhegebiet“ in Nordafrika, und die Erinnerung an eine Selbstverwaltung ist sehr lebendig und drückt sich bis heute in radikalen Bewegungen aus.



- Aufstand in Martinique

Obwohl bereits 1848 die Sklaverei in den französischen Kolonien offiziell abgeschafft worden war, änderte sich für die verarmte Landbevölkerung nur wenig. Es kam zu großen Streikwellen und Aufständen.Als auf Martinique die Ausrufung der französischen Republik vom 4. September bekannt wurde,dehnten sich die Streiks nochmals aus und radikalisierten sich.. Die Großgrundbesitzer drohten mit bewaffneten Aktionen und es kam am 22. Sept. 1870 zum Aufstand der Streikenden. Zuckerfabriken und Verwaltungen der Kolonialmacht wurden niedergebrannt und in drei Nächten wurden 40 Plantagen vernichtet. Fünfzehn Gemeinden riefen den Notstand aus und ebenso wie in Algerien ging die Kolonialmacht mit grausamen Strafexpeditionen gegen die

Bevölkerung vor. Am 26. Sept. war der Aufstand niedergeschlagen.

Das Buch von Hartmann und Wimmer ist sehr lesens- und empfehlenswert für alle, die sich mit der Geschichte der Klassen- und Emanzipationskämpfe Frankreichs eingehender befassen.Die Traditionen dieser Kämpfe lassen sich bis in die Gelbwestenbewegung 2019 beobachten.

Die Autoren nehmen einen „Blick von unten“ ein und es gelingt ihnen dabei oft, die soziologischen, psychologischen und historischen Erfahrungen der Kämpfenden einzufangen. Der Begriff des Proletariats wird von ihnen abgelehnt, wobei nicht ganz klar wird, ob sich diese Ablehnung auf die Engführung des Begriffs als „Arbeiterschaft“ bezieht.

Sehr reizvoll wäre es, den Gegensatz zwischen einer mobilisierungsfähigen breiten Basisbewegung und dem Agieren einer kleinen Minderheit in einem zentralisierten und institutionalisierten Staatswesen unter Gesichtspunkten der Herausbildung von Handlungsmacht zu behandeln.

Ebenso spannend wäre ein Vergleich der Entstehungsbedingungen und den Traditionen der deutschen und französischen Arbeiterbewegung.Im Gegensatz zur französischen Nationalgarde, die ihre Entstehung der großen Revolution von 1789 verdankt,verfügte die deutsche Linke ( mit Ausnahme der Volksmarinedivision von 1918'/19 nie über nennenswerte bewaffnete Einheiten, die auf Seiten der Revolution kämpften. Die „Rote Ruhrarmee“ 1920 war eher ein spontanes Gebilde.

Das Behandeln beider Fragen sprengt aber den thematischen Rahmen dieses wertvollen kleinen Buches und macht eine neue Arbeit erforderlich.

Wünschenswert wäre die Beachtung des detailreichen Buches bei allen Debatten um Emanzipationsprozesse sowie deren Darstellungsweise, da ich eine "Korrektur des deutschen Blicks" auf die Kommunebewegung für notwendig halte.Es war eigentlich der Beginn eines veritablen Bürgerkrieges, der zumindest in Algerien Erfolgschancen gehabt hätte.

Viele der behandelten historischen Fakten sind hierzulande weitgehend unbekannt geblieben und alleine darin besteht  bereits ein großes Verdienst dieser Arbeit.
Nach meiner Übersicht über die auf deutschen linken Webseiten und in linken Printmedien erschienenen Artikel zu dem Ereignis muss man dieser Arbeit ein Alleinstellungsmerkmal zubilligen.



8.05.2021 horst hilse







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