Beitrag zur patriarchalischen Unterdrückung der Frau durch den Islam


Amnesty - Bildmontage: HF

27.01.15
FeminismusFeminismus, Soziales, Kultur, Internationales, Debatte 

 

von Bettina Fenzel 

Selbst unter den „Feministinnen“ in der Par- teispitze der Partei DIE LINKE. geistert das Gespenst herum, das besagt, es habe etwas mit Emanzipation zu tun, wenn eine Frau ein Kopftuch trägt.

Was dabei völlig unter den Teppich gekehrt wird, ist, dass zum Beispiel der reaktionäre saudische Staat für arme Familien Geld gibt, damit eine Tochter unter der Auflage studiert, ein Kopftuch zu tragen. Wenn sie dieser Auflage zuwider handelt, erhält ihre Familie kein Geld mehr für das Studium.

Vielen islamischen Frauen sind schon von klein auf patriarchalische Verhaltensnormen und Rollenbilder eingetrichtert worden, sodass sie diese verinnerlicht haben und in aller Öffentlichkeit erklären, dass sie das Kopftuch freiwillig tragen würden.
In der Öffentlichkeit wird eine Hetzkampagne gegen den Islam losgetreten. Rechte Kräfte machen sich das zunutze, wie in der 'Pegida'-Bewegung oder in faschistischen Kreisen aus der Mitte der Gesellschaft zu sehen ist. Das macht die Sache sehr gefährlich.

Im Koran wird nicht verlangt, dass eine Frau ein Kopftuch tragen muss. Ursprünglich trugen Frauen ein Kopftuch zur Verschleierung des Gesichts, um sich vor dem heißen Wüstensand zu schützen. Einige Imame legten den Islam patriarchalisch aus und erklär- ten, die Frau müsse im Namen des Islam ein Kopftuch tragen.

Aus dem Buch von Ulrich Duchrow: „Gieriges Geld – Auswege aus der Kapitalismusfalle, Befreiungstheologische Perspektiven“ (Kösel-Verlag, München 2013) sei hier Folgendes zitiert:

  • „(...)Nicht nur das Christentum und Judentum haben sich befreiungstheologisch entwickelt. Auch muslimische Theologen und Theologinnen arbeiten an einem ‚progressiven Islam’. Dieser erklärt Gerechtigkeit sowohl im persönlichen Leben wie in Wirtschaft und Gesellschaft zum Herzstück der Theologie und nimmt sich der Herausforderung der ökologischen Zerstörung an.(...)
  • „(...)Mahmoud Mohamed Taha hatte im Sudan ein ähnliches Schicksal wie Shar- iati. Auch er vertrat einen befreienden Islam in Verbindung mit einem demo- kratischen Sozialismus und bezahlte das mit seinem Leben. (1985) Im Oktober 2001 veröffentlichte eine Gruppe von muslimischen Theologen eine Erklärung zum „Progressiven Islam“, die die Grundzüge einer muslimischen Befreiungstheologie benennt. Sie wurde unter Federführung von Farid Esack aus Südafrika erarbeitet.
  • (...)2,5 Die Menschheit hat – wie inadäquat auch immer – universale Mensch- enrechte in internationalen Instrumenten wie der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau ausgearbeitet. Aber in diesem Zusammenhang hat auch jeder und jede von uns die Verantwortung zu übernehmen. Diese schließt die Pflichten ein, die wir gegenüber den Individuen und Gemeinschaften haben, welche uns unterstützen, erhalten, und durch die wir Personen werden, aber auch die Pflichten gegenüber der Erde, die unsere einzige Wohnung ist, aber auch die aller anderen Kreaturen, die diese Wohnung mit uns teilen.(...)
  • (...)Vision einer weltweiten und sozioökonomischen Gleichheit(...) Rassismus, Sexismus, Homophobie und alle anderen Formen sozioökonomischer Ungerech- tigkeiten sowohl innerhalb wie außerhalb muslimischer Gesellschaften und Gemeinschaften durchzusetzen. Diese Ungerechtigkeiten verunglimpfen die Heiligkeit der Menschheit, die ihr verliehen wurde, als Allah den eigenen, göttlichen Geist in den ersten Menschen blies. Intoleranz und faschistische Tendenzen, die versuchen, einen absoluten Mythos in religiösen und kulturellen Gemeinschaften durchzusetzen, auch im Islam. Zwar bevorzugen wir eine besondere Form des Islam, den wir „progressiv“ nennen, doch zugleich respektieren wir, dass andere ihr eigenes Verständnis der islamischen Traditionen haben mögen, das sich von unserem unterscheidet.(...)“

Es stellt sich die Frage, welche Traditionen, die sich auf den Islam berufen, zuzustim- men ist. Haben alle Traditionen des Islam darin ihre Wurzeln, oder sind sie hinein inter- pretiert worden? Soll die Genitalverstümmelung im Namen des Islam zugelassen werden, oder soll es zugelassen werden, dass Frauen Schleier tragen, oder als minderwertig angesehen werden?

Inwiefern sind im Islam patriarchalische Vorstellungen übernommen worden, um die Frauen zu unterdrücken? Ist es mit dem Islam zu vereinbaren, dass Frauen unter Androhung von Ehrenmord zwangsverheiratet werden?

Ist es richtig, im Namen des Islam homosexuelle Männer und lesbische Frauen mit Ermordung zu drohen?

Die Antwort kann nur lauten – Nein! Die offiziellen Vertreter des Islam haben erklärt, dass sie auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.

Unser Grundgesetz hat die Gleichberechtigung von Frau und Mann festgesch- rieben.

Für die Befreiung der Frau ist es wichtig, sich für einen demokratischen Sozialismus ein- zusetzen. Es reicht nicht, nur ökonomisch unabhängig vom Mann zu sein. Die Erklärung des „Progressiven Islam“ ist dazu ein Anfang, der richtungsweisend für die Zukunft sein kann. Er kann weiter ausgearbeitet werden im Sinne eines vorwärts weisenden Entwick- lungsprozesses.

Wir alle sind aufgefordert, über die Botschaft der islamischen Befreiungstheo- logie nachzudenken, und uns mit dem Missbrauch des Islam auseinander zu setzen.


Ägypten: Arzt wegen Genitalverstümmelung verurteilt
www.heise.de/tp/artikel/43/43966/1.html


VON: BETTINA FENZEL


Zu Ihrem Artikel: Beitrag zur patriarchalischen Unterdrückung.... - 01-02-15 14:40




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