Stuttgarter Unternehmen macht Profite mit dem Neubau von Kohlekraftwerken

20.09.21
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ROBIN WOOD-Aktivist*innen prangern "Klimazerstörung made in Stuttgart" durch das Unternehmen Fichtner an

„Klimazerstörung made in Stuttgart – Kein Kohlekraftwerk im Mangrovenwald“ – ein Banner mit dieser Aufschrift haben ROBIN WOOD-Aktivist*innen am Morgen zwischen zwei Bäumen vor dem Stadtpalais in Stuttgart gespannt. Dort finden heute die so genannten „Fichtner-Talks“ statt. Das Ingenieur- und Planungsbüro Fichtner unterstützt den Neubau von zwei Kohlekraftwerken in Bangladesch u.a. mit Beratungsleistungen. Der Hauptsitz des Unternehmens mit Niederlassungen in mehr als 60 Ländern liegt in Stuttgart.

„Wir haben das Greenwashing satt: In Stuttgart lädt Fichtner zum Gespräch über Klimaneutralität und Dekarbonisierung. Zugleich macht das Unternehmen mit dem Bau von zwei Kohlekraftwerken auf der anderen Seite der Weltkugel Geschäfte auf Kosten von Klima, Umwelt und Menschenrechten. Das ist verlogen und angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Klimakrise verantwortungslos. Wir fordern, dass sich Fichtner sofort aus allen fossilen Projekten zurückzieht und stattdessen eine sozial-ökologische Energiewende konsequent vorantreibt“, sagt ROBIN WOOD-Tropenwaldreferentin Fenna Otten.

Fichtner ist in Bangladesch u.a. in zwei Projekte involviert: das Kohlekraftwerk Rampal, das in unmittelbarer Nähe zu den Sundarbans Mangrovenwäldern gebaut wird sowie das Kohlekraftwerk in Matarbari in der Küstenstadt Cox's Bazar.

Das 1,3-Megawatt-Kraftwerk Rampal wird mit seinem enormen CO2-Ausstoß das Klima stark schädigen. Die Bevölkerung vor Ort protestiert seit vielen Jahren gegen den Bau des Kraftwerks. Er gefährdet die besonders artenreichen Sundarbans Mangrovenwälder. Sie sind die Lebensgrundlage für viele Menschen und Tiere und bilden einen wichtigen Schutzwall gegen Sturmfluten. Die Sundarbans gelten wegen ihres außergewöhnlichen, universellen Wertes als UNESCO-Weltnaturerbe und müssten unbedingt erhalten werden. Doch diesen Status drohen sie nun zu verlieren.

Die Errichtung des Matarbari-Kohlekraftwerks ist ebenfalls mit großen klimaschädlichen Emissionen, gravierenden Umweltproblemen und der Verletzung von Menschenrechten verbunden. Für den Bau des Kraftwerks wurden natürliche Entwässerungssysteme und Wasserschleusen zerstört, die zuvor vor Monsunregen schützten. Dem Projekt sind landwirtschaftliche Flächen zum Opfer gefallen, deren ehemalige Eigentümer*innen noch immer nicht entschädigt wurden. Obendrein liegt Matarbari in einer Region, die aufgrund von Extremwetter-Ereignissen schon jetzt stark gefährdet ist. Aufgrund der Klimakrise wächst die Gefährdung durch Überflutungen, Sturmfluten und Wirbelstürme weiter.

Gemeinsam mit der internationalen Allianz zur Rettung der Sundarbans und Market Forces (Friends of the Earth Australia) hat ROBIN WOOD die Geschäftsführung von Fichtner in einem Schreiben mit den konkreten Vorwürfen zu den Vorhaben in Matarbari konfrontiert. Obwohl Fichtner Teil eines beratenden Konsortiums ist, lehnt das Unternehmen die Übernahme jeglicher Verantwortung ab. Man habe nur sehr spezifische Tätigkeiten übernommen, sei jedoch nicht in Entscheidungen bezüglich des Standortes und der Standortentwicklung einbezogen gewesen. Fichtner verweist an das japanische Unternehmen Tokyo Electric Power Services, das die Leitung des Konsortiums innehabe. Zugleich schließt Fichtner die Mitwirkung an der Weiterentwicklung des Kohlekraftwerks für die Zukunft nicht aus.

„Die Klimakrise ist jetzt. Alle wissen, dass der Kohleausstieg überfällig ist. Sich trotzdem am Bau neuer Kraftwerke zu beteiligen, ist absoluter Irrsinn und wird den Klimakollaps beschleunigen. Wer sich so unverantwortlich wie Fichtner verhält, macht sich mitschuldig an der Klimakatastrophe“, sagt der Stuttgarter ROBIN WOOD-Aktivist Eberhard Linckh.

ROBIN WOOD unterstützt den Aufruf von Fridays for Future für den globalen Klimastreik am kommenden Freitag, den 24. September. In Stuttgart werden ROBIN WOOD-Aktivist*innen um 12:00 Uhr am Stadtgarten und um 13:00 Uhr an der Staatsoper mit dabei sein.







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