Mor­gen, Kin­der, wird’s nichts geben!


Bildmontage: HF

24.12.16
KulturKultur, Soziales, TopNews 

 

Ein klei­nes Weih­nachts­ge­dicht, von Erich Käs­t­ner aus dem Jahre 1928, weil es auch 88 Jahre spä­ter noch (oder wie­der) sehr gut zur so­zia­len Lage paßt.

Mor­gen, Kin­der, wird’s nichts geben!
Nur wer hat, kriegt noch ge­schenkt.
Mut­ter schenk­te Euch das Leben.
Das ge­nügt, wenn man’s be­denkt.
Ein­mal kommt auch Eure Zeit.
Mor­gen ist’s noch nicht so weit.

Doch ihr dürft nicht trau­rig wer­den.
Rei­che haben Armut gern.
Gän­se­bra­ten macht Be­schwer­den.
Pup­pen sind nicht mehr mo­dern.
Mor­gen kommt der Weih­nachts­mann.
Al­ler­dings nur ne­ben­an.

Lauft ein biß­chen durch die Stra­ßen!
Dort gibt’s Weih­nachts­fest genug.
Chris­ten­tum, vom Turm ge­bla­sen,
Macht die kleins­ten Kin­der klug.
Kopf gut schüt­teln vor Ge­brauch!
Ohne Christ­baum geht es auch.

Tan­nen­grün mit Os­ram­bir­nen -
Lernt drauf pfei­fen! Wer­det stolz!
Reißt die Bret­ter von den Stir­nen,
Denn im Ofen fehlt’s an Holz!
Stil­le Nacht und heil‘ge Nacht -
Weint, wenn’s geht, nicht! Son­dern lacht!

Mor­gen, Kin­der, wird’s nichts geben!
Wer nichts kriegt, der kriegt Ge­duld!
Mor­gen, Kin­der, lernt für’s Leben!
Gott ist nicht al­lein dran schuld.
Got­tes Güte reicht so weit . . . .
Ach, du liebe Weih­nachts­zeit!

Trotzdem schöne Feiertage wünscht die 'scharf-links'-Redaktion!


VON: ERICH KÄS­T­NER






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