Stellungnahme von medico international zum Gaza-Krieg


medico international

01.02.15
InternationalesInternationales, Bewegungen 

 

von medico international

Der heute von der israelischen medico-Partner- organisation "Ärzte für Menschenrechte" (PHR - IL) vorgestellte Bericht "No Safe Place" erhärtet den Verdacht, dass zahlreiche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht zu hohen Opferzah- len unter der Zivilbevölkerung während des Gaza-Krieges im Sommer 2014 geführt haben.

Laut PHR-IL zeigt der Bericht "die Diskrepanz zwischen den Verlautbarungen des Mili- tärs Menschenleben zu schonen und dem Vor- gehen während der Kämpfe, welches zu tausenden Verletzen und Toten führte, da es keinen sicheren Zufluchtsort für die Bewohner des Gazastreifens gab."

Der Bericht wurde, in Zusammenarbeit mit Menschenrechtsorganisationen aus Israel und dem Gazastreifen, von acht Gesundheitsexperten verfasst. Es ist die einzige internatio- nale, unabhängige Untersuchungsgruppe, denen die israelischen Behörden die Einreise in den Gazastreifen während des Krieges erlaubten, um medizinische und gesundheitsbezo- gene Informationen zu sammeln.

Anhand zahlreicher Beispiele verdeutlicht der Bericht, warum so viele Zivilisten durch die Militäroffensive ums Leben kamen: Versagen des Vorwarnsystems, fehlende Fluchtwe- ge, Zusammenbruch des Evakuierungsmechanismus für Verwundete und Angriffe auf Rettungskräfte.

Verantwortlich für eine hohe Zahl von Opfern sind sog. "Doppelschläge", bei denen nach einem Angriff die zu Hilfe eilenden Verwandten und Rettungskräfte von nachfolgendem Beschuss getroffen werden.

Außerdem stellen die Experten das Versagen des Koordinierungsmechanismus zwischen der israelischen Armee, dem Roten Kreuz und dem Palästinensischen Roten Halbmond fest. Durchschnittlich vergingen zehn Stunden bis zur Bergung der Verletzten.
Vielfach wurde sie gänzlich unmöglich gemacht. In extremen Fällen, wie bei den Angrif- fen auf Khuza'a in der Nähe von Khan Younis, nahm die Koordination bis zu acht Tage in Anspruch.

Viele Zeugenaussagen dokumentieren Angriffe auf medizinische Einrichtungen und Ret- tungskräfte, obwohl das palästinensische Gesundheitsministerium die Kennzeichnungen von Krankenwagen und medizinischen Teams, sowie die Koordinaten der Gesundheitsein- richtungen an die israelischen Armee übermittelte.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation und des palästinensischen Gesundheits- ministeriums wurden 23 medizinische Fachkräfte getötet und 83 weitere verletzt. 45 Krankenwagen, 17 Krankenhäuser und 56 Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt oder zerstört.

Die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international fordert des- halb weitere unabhängige Untersuchungen. Die israelische Armee könne dies, aufgrund der eigenen Verwicklung nicht unvoreingenommen tun.

"Israel sollte der Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrates eine unge- hinderte Arbeit ermöglichen und den Experten die Einreise nach Israel und Gaza ge- statten", sagt Riad Othman, medico-Repräsentant in Israel und Palästina.

Einen Executive Summary und den vollständigen Bericht "No Safe Place" (engl. 237 Seiten) als PDF finden Sie unter:
www.medico.de/gazaNoSafePlace

Eine multimedial aufbereitete Version bei:
http://gazahealthattack.com/

Das ARD Studio Tel Aviv berichtete bereits. Meldung und Radiobeitrag von Thorsten Teichmann: Aufarbeitung des Gazakrieges im Sommer 2014 / Ärzte werfen Israel Verbrechen vor:
www.tagesschau.de/ausland/gaza-medizinerbericht-101.html

Wir würden uns freuen über zahlreiche Verlinkungen auf:
www.medico.de/gazaNoSafePlace

Bernd Eichner
medico international

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VON: MEDICO INTERNATIONAL






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