Zirkusdirektor wegen Körperverletzung rechtskräftig verurteilt: PETA fordert zum Schutz von Mensch und Tier kommunales Wildtierverbot


07.11.18
UmweltUmwelt, Bewegungen, Thüringen 

 

Hardy Weisheit kapituliert und zieht Berufung zurück.

Von PETA

Berüchtigter Zirkusdirektor verurteilt: Im Prozess um einen Fall von Körperverletzung hat Zirkuschef Hardy Weisheit seine Berufung kurz vor der für heute angesetzten Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Erfurt zurückgezogen. Damit ist das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Weimar zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen rechtskräftig. Aktenzeichen: 5 Ns 902 Js 14516/16.

Die Leiterin des Weimarer Veterinäramtes hatte 2015 Anzeige gegen den Direktor des Circus Afrika erstattet. Weisheit gab an, während einer veterinärbehördlichen Kontrolle im Streit eine Absperrkette aus Eisen auf den Boden geworfen und leicht das Bein der Behördenmitarbeiterin getroffen zu haben [1]. Da Circus Afrika und der Beschuldigte in der Vergangenheit wiederholt für negative Schlagzeilen gesorgt haben, appelliert die Tierrechtsorganisation PETA erneut an die Kommunen, Zirkus-Wildtierverbote zu beschließen

„Hardy Weisheit ist mehrfach durch Tierquälerei, Verstöße gegen die öffentliche Ordnung und Aggressionen gegenüber Menschen aufgefallen“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Die Verurteilung war die einzig logische Konsequenz. Einem Zirkusdirektor, der wegen vorsätzlicher Körperverletzung zum Nachteil einer Amtsveterinärin verurteilt worden ist, müsste sofort die Reisegewerbekarte, die § 11-Genehmigung und damit die Tierhaltung untersagt werden. Nun sind auch die Kommunen gefragt, Zirkusbetrieben wie diesem zum Schutz von Mensch und Tier den Auftritt zu untersagen.“

PETA: „Circus Afrika ist einer der rücksichtslosesten Zirkusbetriebe des Landes“

PETA hat die Fehltritte des Zirkus in einer Chronik aufgelistet. Darunter findet sich eine Vielzahl von behördlichen Beanstandungen und Verfahren wegen der Tierhaltung, zahlreichen illegalen Landbesetzungen und wilden Plakatierungen sowie über ein Dutzend Ausbrüche der Elefanten, die oftmals mit Sach- oder Personenschäden endeten.

Erst im vergangenen Jahr verurteile das Amtsgericht Erfurt den Zirkusdirektor zu einem Bußgeld, da er Elefanten während eines Gastspiels 2016 außerhalb des genehmigten Bereichs herumlaufen ließ und damit fahrlässig Menschen gefährdete (Az.: 653 Js 201266/1765). Beim „Spaziergang“ verletzte sich eines der Tiere; das Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde jedoch eingestellt. Ebenfalls 2016 fuhr Weisheit während einer Protestaktion in Sangerhausen mit einem Radlader auf die Demonstranten zu; mindestens eine Person wurde von der Ladung touchiert. Zuletzt verursachte ein Elefant Anfang September 2017 bei einem Gastspiel in Barth einen erheblichen Sachschaden. Zudem quält die Asiatische Elefantendame Gandhi ein großes Bauchödem; bei den Afrikanischen Elefanten Tonga und Moja sind die Beine wegen des dauernden Stehens auf hartem Untergrund teilweise deformiert [2].

Kommunale Wildtierverbote weiterhin zulässig

2016 forderte der Bundesrat bereits zum dritten Mal ein Verbot von Wildtieren wie Elefanten, Giraffen und Flusspferden im Zirkus und begründete in seinem Entschließungsantrag wissenschaftlich, warum diese Tierarten erheblichem Leid ausgesetzt sind – unabhängig vom jeweiligen Betrieb. Über 100 Städte und Gemeinden haben bereits ein kommunales Wildtierverbot beschlossen. Ein Gutachten aus dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg bestätigt, dass kommunale Wildtierverbote weiterhin zulässig sind – insbesondere, wenn auch der kommunalrechtlich relevante Aspekt der Gefahrenabwehr als wesentlicher Grund für das Verbot genannt wird. Jährlich mehrere Dutzend, teils gefährliche Ausbrüche von Tieren im Zirkus bestätigen die Notwendigkeit einer weitergehenden Regelung.

 

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht da, um uns zu unterhalten. Die Tierrechtsorganisation fordert ein grundsätzliches Verbot von Tieren im Zirkus, denn die Unterbringung in kleinen Gehegen, die ständigen Transporte sowie die von Gewalt und Zwang geprägte Dressur führen zu Verhaltensstörungen, Krankheiten und oftmals zu einem frühen Tod.

 

[1] https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Zirkus-Afrika-gastiert-in-Weimar-Ueberleben-ist-ein-Drahtseilakt-2041061767.
[2] Dornbusch, T. (2012): Haltungsbedingte Probleme Afrikanischer Elefanten im Circus. In: Elefanten in Zoo und Circus. Nr. 20, 2011. Hrsg. Elefanten-Schutz Europa e.V. Online unter: www.european-elephant-group.com/files/PDF/20-2011_circusafrikaner_folgeschaeden.pdf

 

Weitere Informationen:
PETA.de/Chronik-Afrikas-Big-Circus
PETA.de/Wildtierdressur







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